PC oder MAC – Die Glaubensfrage

Im Grunde ist die Rechnerplattform bei der Erstellung und Betrachtung einer Internetseite egal. Beinahe jeder Computer und die meisten Betriebssysteme können die für das Webdesign notwendigen Arbeiten ausführen. Es reicht ein mehr oder weniger komfortabler HTML-Editor (ein Text Editor reicht auch), ein Grafikprogramm und zum Zugriff auf das Web ein Browser und ein TCP/IP Stack. Die gängisten Browser sind für meisten Hard- und Softwareplattformen erhältlich. Auch ein Editor und ein Grafikprogramm sind entweder extern erhältlich oder aber schon im Betriebssystem eingebaut. Steigen natürlich beim Nutzer die Ansprüche an die verwendeten Werkzeuge, scheiden bei Bevorzugung bestimmter Software einige Systeme aus. So ist z.B. das beliebte Photoshop oder Adobes Golive entweder nur für PC (Windows 9x, Windows NT) oder für den Apple Macintosh erhältlich.

Somit haben sich für den großflächigen Einsatz im Webdesign genau diese zwei Systeme qualifiziert. Zwischen den Anhängern der beiden Systeme kommt es im Dialog immer wieder zu Szenen, die einem Kreuzzug der einen oder anderen Seite für eine vermeintlich gerechte Sache gleichen.

Ist wirklich ein System besser als das andere? Oder handelt es sich hier nur um Schattenboxen? Der Web-Elch versucht anhand des Vergleiches der beiden Systeme etwas Licht in das Dunkel zu bringen. Wir stellen anhand einer Auflistung einiger wichtiger Bewertungsbereiche die Vor- und Nachteile der beiden Rechnerplattformen vor. Die Entscheidung müssen Sie dann aber trotzdem noch selber treffen. Denn soviel sei verraten: Das ideale System existiert nicht.
Leistungsfähigkeit
Erweiterbarkeit
Betriebssystem
Software
Bedienbarkeit
Preise
Fazit
Leistungsfähigkeit

Von einem modernen Rechner wird erwartet, daß er fast verzögerungsfrei auf Eingaben reagiert und subjektiv ausreichend schnell wirkt. Gerade bei der Grafikbearbeitung, die beim Webdesign häufig vorkommt, sollte die Arbeit mit den Programmem zügig von der Hand gehen.

Ein Windows-PC (kurz Wintel genannt) bietet meist einen Prozessor der neuesten Pentiumgeneration (Pentium II, Celeron oder PentiumIII) und verfügt über ein CD-ROM, eine ausreichend schnelle Grafikkarte und mehr oder weniger viel Arbeitsspeicher und Festplattenkapazität. Unter einer Ausstattung mit mindestens 128 MB Speicher sollte man allerdings kein System mehr anschaffen. Das gleiche gilt auch für die installierte Plattenkapazität. Bei Preisen von 300 DM für 15 GB ist hier Sparen nicht angesagt.

Die Art und Geschwindigkeit des Prozessors wird zwar in der Werbung immer groß hervorgehoben, ist aber nicht mehr so entscheidend. Ein Prozessor der o.g. Art mit mindestens 350 MHz ist ausreichend schnell. Mehr MHz sind meist nur Augenwischerei. Ein Auto wird schließlich auch nicht nur über die PS-Zahl verkauft. Hoffentlich …

Ein Macintosh (Mac) System ist nach der Umstrukturierung der Firma Apple nur noch von Apple direkt zu erhalten. Lizenz- oder Nachbauten wie bei den Wintel-Systemen gibt es hier nicht mehr. Der eingesetzte G3 oder G4-Prozessor mit Taktfrequenzen ab 350 MHz und die weiteren Austattungsmerkmale unterscheiden sich in der Leistungsfähigkeit nicht von den Wintel-Systemen. Auch wenn Apple immer wieder bei der Vorstellung eines neuen Systems behauptet, daß es schneller als jeder Intel-basierte PC ist. Bei der täglichen Benutzung nivelliert sich dieser auf dem Papier durchaus bestehende Unterschied wieder.

Eine vernünftige Ausstattung setzt auch hier wieder mindestens 128 MB Speicher und große Festplatten voraus. Aufgrund des eingesetzten Betriebssystems ist sogar eher ein größerer Arbeitsspeicher wünschenswert. CD-ROMs und die weitere eingesetzte Technik entsprechen leistungsmäßig dem Wintel-Pendant.

Die erste Runde geht somit unentscheiden aus. Sowohl Wintel als auch Mac sind ausreichend leistungsfähig für den Einsatz beim Webdesign.

Erweiterbarkeit

Der Wintel-PC war schon seit jeher durch eine offene Architektur jederzeit problemlos erweiterbar. Durch den Einsatz von ISA-, PCI- oder AGP-Steckkarten kann die Leistungsfähigkeit und Ausstattung an geänderte Anforderungen angepasst werden. Auch der Tausch von Prozessoren, die Erweiterung des Speichers oder der Einsatz weiterer Speichermedien (Festplatten, ZIP, CD-Brenner usw) ist ohne Schwierigkeiten möglich. Das auch extern Geräte wie Scanner, Modem, Drucker oder Bildschirme in reichhaltiger Auswahl zur Verfügung stehen, versteht sich in der Wintel-Welt praktisch von selbst.

Die ersten Mac-Systeme waren hingegen nur mit Modulen von Apple selbst aufrüstbar. Dies bedeutete einerseits gewisse Einschränkungen in der Auswahl der Erweiterungen, aber auch einen meist deutlich höheren Preis für eine Um- oder Aufrüstung.

Mit der Einführung der neuen Modelle auf PowerPC Basis setzt aber auch Apple vermehrt Standard (Wintel) Komponenten ein. PCI-Karten, Speicher, Festplatten und externe Geräte können mittlerweile fast beliebig eingesetzt werden. Nur ist oftmals die Unterstützung von Seiten der Hersteller im Bezug auf die Lauffähigkeit der Produkte im Mac (Treiber!!) nicht optimal. Bei einer auch für den Mac einsetzbaren Erweiterung muß man weiterhin mit etwas höheren Preise kalkulieren.

Im Bereich Erweiterbarkeit bildet sich ein kleiner Vorteil für Wintel. Hauptsächlich zurückzuführen auf die größere Verbreitung und die Vielfalt in diesem Hardwarebereich. Aber der Mac holt auf. Gerade nach dem Einsatz der USB-Technik für den Anschluß externer Geräte kommt Bewegung in den Markt und die Preise.

Betriebssystem

Das Wintel-System Windows ist mittlerweile in der Version 98 ein durchaus brauchbares und stabiles Betriebssystem geworden. Entgegen allen Vorurteilen, die meist eher Anti-Microsoft-Phobien entstammen, bietet es im Vergleich zum Mac mehr Möglichkeiten und unterstützt so z.B. echtes Multitasking. Auch die Verwaltung des Speichers ist besser gelöst und führt nicht so häufig zu Abstürzen. Da auch das neueste Windows immer noch auf einem DOS-Kern basiert, läßt sich auch 15 Jahre alte Software meist ohne größere Schwierigkeiten einsetzen. Allerdings überfordern die über die Jahr gewachsenen Möglichkeiten des Systems im Bezug auf die Konfiguration oftmals den Einsteiger oder Nur-Anwender.

Dem Mac-System (Version 8.6 ist aktuell) merkt man deutlich an, daß es langsam in die Jahre kommt. Apple versucht zwar schon seit Jahren das System auf moderne Füße zu stellen. Verwirrt aber den Anwender durch immer neue und nicht sehr stringente Entwicklungsstrategien. Multitasking funktioniert nur kooperativ. Ein amoklaufendes Programm kann durchaus den gesamtem Rechner abstürzen lassen. Auch die Speicherverwaltung ist nicht so optimal gelöst. Mac-Programme benötigen oft mehr eingebauten Speicher als vergleichbare Windows-Programme. Ob und wie alte Programme auf neuen Versionen des Betriebssystems laufen (Abwärtskompatibilität) gleicht meist eher einem Quiz.

Das Betriebssystem der Wintel-Systeme hat im Vergleich klar die Nase vor. Allen Rufen gegen ein Microsoftmonopol zum Trotz. Und hat nicht auch Apple ein Monopol beim eigenen Betriebssystem? Ob und wie neue Mac-Systeme sich verhalten und wie ihre Stabilität verbessert wird, erscheint im Moment leider immer noch etwas unklar. Trotzdem kann man natürlich auch mit dem Mac-System arbeiten und die anfallenden Aufgaben erledigen.

Software

Dieser Abschnitt fällt eher kurz aus. War es früher durchaus so, daß gerade im Bereich der Grafiksoftware der Mac einen klaren Vorteil ausspielen konnte, erscheinen mittlerweile die Programme in gleicher Version für beide Systeme.

Daten können zwischen Wintel und Mac problemlos ausgetauscht werden. Die Einbindung beider Systeme in gemeinsame Netzwerke stellt auch keine Hürde dar. Im Funktionsumfang gleichen sich z.B. Photoshop für den Mac und für Windows bis in Details. Die Bedienung der Programme ist natürlich aufgrund der verschiedenen Systeme durchaus unterschiedlich.

Ein klares Unentschieden. Weder Mac noch Wintel haben einen Vorteil bei der Softwareverfügbarkeit. Für beinahe jeden Zweck gibt es entweder identische Programme oder Programme mit gleichem Funktionsumfang. Programme für das Webdesign gibt es für beide Systeme in hoher Qualität.

Bedienbarkeit

Ein eher philosophisches Problem. Mac und Wintel lassen sich beide einfach bedienen. Durch die weite Verbreitung der Wintel-Systeme ist deren Bedienung natürlich scheinbar eingängiger. Aber ein langjähriger Mac-Anwender findet sich dort ohne Probleme zurecht. Umgekehrt gilt natürlich auch, daß der Mac für einfacher bedienbar gehalten wird. Aber diesen kann ein Wintel-Benutzer ebenfalls ohne größere Verrenkungen bedienen.

Beide Systeme haben über die Jahre immer wieder Ideen des jeweils anderen aufgenommen und für sich adaptiert. Nur die leidige Beschränkung der Apple-Maus auf nur eine Taste stört. Um die Funktion der zweiten oder dritten Maustaste des Wintel-PCs zu simulieren müssen immer noch die CTRL oder andere Tasten mitgedrückt werden. Dabei wäre es sicher für Apple einfach die Maus mit einer Taste mehr auszustatten.

Ob man es besser findet, daß die Menüleiste eines Programmes immer oben ist (Mac) oder am jeweiligen Programmfenster befestigt wird (Wintel) ist eher eine Geschmacksfrage, denn ein gravierender Bedienunterschied. Wer mit dem einen oder anderen System in die Computerei hineingewachsen ist, findet sein jeweiliges System zwar besser und einfacher. Aber im Grunde besteht kein Unterschied in der Bedienbarkeit.

Preise

Hier findet man die größten und vielleicht auch entscheidensten Unterschiede. Durch die enorme Vielfalt der Anbieter auf dem Wintel-Markt herrscht ein gnadenloser Verdrängungwettbewerb. Dieser Kampf um Marktanteile wird hauptsächlich über den Preis ausgetragen.

Ein typisches Wintel-System steht hier stellvertretend als Preisbeispiel:

IBM Pentium III 500MHz
128 MB Speicher
10,2 GB Festplatte
40x CD-ROM
16 MB Grafikkarte
Sound
Maus + Tastatur
17″ Monitor

2498,- DM (entnommen dem neuesten Vobis-Prospekt)

Oftmals findet man sogar ein ähnlich ausgestattes System für komplett unter 2000,- DM. Da man in so ziemlich jedem Elektromarkt, aber auch bei Aldi, einen Wintel-PC kaufen kann, lohnt sich der Preisvergleich.

Einen Mac gibt es hingegen nur von einem Hersteller. Apple hat alle Lizenzen für Nachbauten zurückgezogen und so zwar seine wirtschaftlich Lage massiv verbessert, aber auch jeglichen Wettbewerb unterbunden. Ein typischer Mac sieht in der Kalkulation daher etwas anders aus:

G3 Powermac 450 MHz
128 MB Speicher
9 GB Festplatte
24x CD-ROM
16 MB Grafikkarte
Sound
Maus + Tastatur
17″ Monitor

7067,- DM

Mehr als das Doppelte für den Mac. Sicher ist das Gehäuse schöner, aber diese Preise sind eigentlich unakzeptabel hoch.

Ein großer Minuspunkt für den Mac. Er ist meist einfach zu teuer. Auch Zusatzgeräte sind oftmals mehr als doppelt so teuer, wie das vergleichbare Wintelgegenstück.

Fazit:

Nach den Fakten eigentlich ein klarer Punktsieg für Wintel. Doch, bei der täglichen Arbeit des Webdesigners leisten beide Systeme gute Unterstützung. Sie sind gleichwertig. Nur der hohe Preis des Mac wirkt abschreckend.

Warum werden dann trotzdem beim Webdesign eher Macs als Wintel-PCs eingesetzt? Oftmals passiert Webdesign im Umfeld der Kreativen, also in Werbeagenturen usw. Diese Gruppen setzen schon seit jeher Mac-Systeme ein. Hier ist es eher ein historischer denn ein rationaler Grund auch weiterhin den Mac vorzuziehen.

Auch der Wintel-PC könnte dort problemlos eingesetzt werden. Es bleibt also doch eher bei einer Glaubensfrage. Oder besser wäre es in diesem Zusammenhang von dem persönlichen Geschmack zu sprechen. Schließlich fahren wir ja auch nicht alle japanische Kleinwagen nur weil es vernünftiger und preiswerter ist.

Man muß selber entscheiden, welches System man für das Webdesign einsetzt. Ein Fehlgriff ist keines von beiden.

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