Für welchen Browser soll ich meine Seiten optimieren?

Eine der häufigsten Fragen bei der Erstellung von Internetseiten.
Selbstverständlich soll im Idealfall jeder Betrachter ein optimales Ergebnis erhalten und die Seiten so sehen, wie es ursprünglich geplant war.

Doch in der Realität sieht eben alles anders aus als wie man Denken tut…

Die beiden großen Anbieter von Browsern Microsoft und Netscape haben im Laufe der Entwicklung ihrer Browser bis zu den derzeit aktuellen Versionen Internet Explorer 5 und Netscape 4.61 immer wieder eigene Erweiterungen eingeführt oder aber Vorgaben aus den Empfehlungen des W3C nicht oder nur unvollständig implementiert.

Somit kann es passieren, daß ein und dieselbe Seite auf einem dieser beiden Browser ein total anderes und nicht gewolltes Aussehen erhält.

Der erste Schritt bei der Erstellung einer crossbrowser-kompatiblen Seite ist daher immer:
Verzicht auf herstellerspezifische Funktionen,
wie etwa das BLINK-Tag des Netscape oder das MARQUEE-Tag von Microsoft. Der Verzicht auf diese und ähnliche Erweiterungen ist auch meist ein Gewinn für das Aussehen der Seiten.

Der nächste Schritt erfordert schon etwas mehr Aufwand:
Testen, testen und nochmals testen
und zwar auf allen erreichbaren Browserplattformen und noch besser auch auf verschiedenen Systemen mit unterschiedlichen Auflösungen, Grafikkarten oder sogar Betriebssystemen. So ist zum Beispiel die Helligkeit eines Bildes auf einem Applesystem völlig unterschiedlich zu der Darstellung auf einem PC Monitor. – Auf diesen interessanten Punkt werden wir in einem Schwerpunkt Grafik ausführlicher eingehen –
Auch sind Schriften auf verschiedenen Systemen oftmals sehr verschieden. Dies trifft sogar auf die Standardschrift des Browsers zu.

Der entscheidende dritte Schritt
Immer nach den vorgestrigen Standards programmieren
Dieser Tip hört sich zuerst etwas kurios an, da doch gerade im Internet die Entwicklung neuer Standards rasend schnell erfolgt. Aber, nicht jeder Ihrer Besucher installiert alle vier Wochen den neuesten Browser oder kauft sich einen größeren Monitor nur um Videos formatfüllend im Internet zu sehen. Außerdem dauert es immer relativ lange, bis ein neuer Standard sich wirklich etabliert hat.
Darum ganz klar, der Web-Elch Tip: Die Programmierung einer kompatiblen Seite sollte – bis auf wenige Ausnahmen – immer nach dem HTML 3.2 Standard erfolgen. Dieser ist zwar schon etwas älter, wird aber ohne größere Probleme von den meisten Browsern auch korrekt interpretiert.

Wenn es unvermeidbar ist besondere Funktionen zu benutzen, wie z.B. Javascript für den beliebten Effekt des Bildwechsel beim Überfahren mit der Maus (Rollover), sollte die Seite aber immer noch funktionieren, wenn der Betrachter keine dieser Funktionen mit seinem Browser ausführen kann oder aber wie im Fall Javascript diese Funktion in seinem Browser aus Sicherheitsgründen ausgeschaltet hat.

Die Programmierung mit neuen HTML-Erweiterungen wie CSS und DynamicHTML oder aber die Erstellung von XML-Seiten, wie es z.B. das neue Office 2000 als Dateiformat anbietet, sollte man soweit wie möglich vermeiden. Selbst die neuesten Browserversionen sind immer noch nicht in der Lage die Befehle des älteren CSS 1.0 Standards korrekt umzusetzen, ganz zu schweigen von CSS 2.0.

Was bleibt also?

Bei der Erstellung einer Seite müssen Sie ausgehend von ihrem Design entscheiden, wie sich dieses auf den gängigen Browsern darstellen läßt, ohne auf die allerneuesten HTML-Funktionen zurückgreifen zu müssen.

Als kleine Hilfe, welche Browser gerade in welchem Maß eingesetzt werden hat der Web-Elch die Logdateien von neun Internetangeboten über den Zeitraum von einer Woche ausgewertet.
Diese Auswertung ist zwar alles andere als repräsentativ, sie kann aber trotzdem eine gute Hilfe bei der Browserfrage darstellen:
Netscape 2.x 0,04%
Netscape 3.x 7,24%
Netscape 4.x 35,46%
IE 2.x 0,17%
IE 3.x 5,13%
IE 4.x 24,37%
IE 5.x 11,38%
Mosaic 0,00%
Lynx 0,00%
Sonstige 16,21%

Ausgewertet wurden 5150 Zugriffe über 1 Woche
Unter Sonstige fallen alle Browser, die sich nicht korrekt gemeldet haben oder aber auch Suchläufe von Indizierungsprogrammen wie Altavista, Yahoo o.ä..

Für den Ersteller einer Webseite bedeutet dies, daß die zu erstellenden Seiten auf Netscape ab Version 3 und Internet Explorer ab Version 3 lauffähig sein müssen. Und der kleinste gemeinsame Nenner dieser Browser ist die korrekte Umsetzung von HTML 3.2 und, bis auf den IE 3, auch der grundlegenden JavaScript Standards bis Version 1.2.

In der einschlägigen Fachliteratur aus den USA findet man auch noch häufig Hinweise auf AOL Browser und Browsern in Settop Boxen. Diese beiden Browserarten sind aber in Deutschland eher unüblich und sollten nur dann in die Überlegungen einbezogen werden, wenn sich das zu erstellende Internetangebot auch ausdrücklich an diesen Personenkreis richtet.

Sehr schön ist es allerdings, wenn neben einer normalen Version eines Internetangebotes auch immer eine abgespeckte und möglicherweise grafikfreie Version für Textbrowser oder Personen mit Sehproblemen angeboten wird.

Dieser Personenkreis surft häufig mit speziellen Programmen, die den Inhalt von Internetseiten vorlesen oder anderweitig aufbereiten. Auch mit einer kompatiblen Seite, die allerdings nur oder überwiegend aus Grafik besteht, hat dieser Personenkreis natürlich ernste Probleme. Darum sollte eine gewisse “text-only-version” immer mit zu der Erstellung eines rundum gelungenen Internetauftrittes gehören.

Weiterführende Links zum Thema
Microsoft
Netscape
W3C HTML 3.2 Spezifikation
Browserwatch

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